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Als Dick York und Vom Ritchie 2009 die Band Cryssis gründen, kennen sich die beiden Engländer fast zwei Jahrzehnte. Vom trommelt damals schon seit zehn Jahren für Die Toten Hosen, dennoch ist Cryssis mehr als bloß ein Nebenprojekt. Im Interview erinnert sich Sänger Dick York an die Anfänge ihrer Freundschaft zurück und versucht, seine Vorfreude aufs Ruhrpott Rodeo in Worte zu fassen.


Foto: David Young

Gerade erst ist euer drittes Album „1976” erschienen. Was hat der Titel zu bedeuten?
Für Vom und mich war es das Jahr, in dem der Punkrock in England explodierte. Wir waren total besessen von Musik und plötzlich gab es so viele neue Bands – es war fantastisch. Andererseits war es für England auch ein Jahr der politischen Unruhen, die auch meine Zukunft in ein anderes Licht rückten. Düstere Zeiten, in denen wir für den Moment lebten, was dem Punkrock noch mehr Bedeutung verlieh. Damals schrieb ich auch meinen ersten Song. Rückblickend änderte sich 1976 alles.

Kennengelernt habt ihr euch in den frühen Achtzigern. Welche Erinnerungen verbindest du mit dieser Zeit?
Ich spielte damals bei Sta Prest, einer erfolgreichen Mod-Revival-Band, die eigentlich bloß Punk-Power-Pop machte. Als die Band sich auflöste, brauchte ich einen neuen Drummer. Da erinnerte ich mich an einen großartigen Schlagzeuger namens Vom, der mir bei einem Konzert der Miracle Babies aufgefallen war. Kurz darauf setzten wir uns zusammen und gründeten die Band Cry Dyaan, aus der viele Jahre später Cryssis wurde.

Lebenslänglich

Das muss dann wohl 2009 gewesen sein, als Vom dich anrief, um eure alte Band zu reaktivieren. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit zehn Jahren Schlagzeuger bei Die Toten Hosen – hat dich das beunruhigt?
Wenn Vom und ich zusammen Musik machen, liegt Magie in der Luft – das war schon immer so. Also traf ich mich damals mit ihm, um ein paar alte Songs zu spielen. Denn selbst wenn es bei einem einmaligen Treffen geblieben wäre, hätten wir eine gute Zeit zusammen verbracht. Doch als wir uns trafen, war es schlichtweg keine Option mehr, es dabei zu belassen. Das war die Geburtsstunde von Cryssis. Die Toten Hosen sind eine großartige Band, mit der Vom eine brillante Karriere hinlegt. Doch Cryssis ist mehr als nur ein Nebenprojekt, es ist ein Lebensgefühl.

Kannst du dieses Lebensgefühl in Worte fassen?
Wir sind wirklich gute Freunde, deren gemeinsame Leidenschaft es ist, Songs zu schreiben, aufzunehmen und zu performen. Als wir dann auch noch Thommy Schneider und Trip Tom trafen, fühlte sich das wie Schicksal an. Cryssis ist eine Art Club mit lebenslanger Mitgliedschaft. Wir genießen es einfach, Zeit miteinander zu verbringen und gemeinsam Musik zu machen. Die Einladung zum Ruhrpott Rodeo ist daher eine ganz besondere Ehre für uns. Wir können es kaum erwarten und planen die Party schon jetzt.

Party unter Freunden

Ich habe euch bereits zweimal im Essener Anyway gesehen. Der Laden ist sehr klein, wie kommt es, dass es euch immer wieder dorthin verschlägt?
Wer fände es nicht toll, dort auftreten zu dürfen? Das Anyway ist ein fantastischer Ort und wir lieben es, dort Akustik-Sets zu spielen. Ein Cryssis-Konzert muss man sich vorstellen wie eine Party unter guten Freunden, da spielt die Größe der Venue keine Rolle. Doch die Shows im Anyway sind tatsächlich immer fantastisch.

Mit dem Ruhrpott Rodeo steht im Juli dann gewissermaßen das Kontrastprogramm an. Worauf freut ihr euch am meisten?
Wir sind tatsächlich total aufgeregt. Cryssis haben immer gehofft, eines Tages auf dem Festival spielen zu dürfen, doch es hat leider nie gepasst. Aber dieses Jahr ist es endlich soweit. Dass wir nun auch noch ein neues Album im Gepäck haben, passt perfekt. Wir können es gar nicht erwarten, den Leuten die Songs der neuen Platte vorzustellen – und natürlich freuen wir uns auch schon darauf, nach der Show mit euch anzustoßen.

Interview: Diana Ringelsiep

In letzter Zeit sind sie sehr erfolgreich und füllen die großen Hallen, dabei haben sie sich nie verbogen und sind unbeirrt die alten Jungs aus Mecklenburg geblieben. Wir freuen uns tierisch darüber, dass sie beim Rodeo dabei sind!

Seit 20 Jahren sind die Jungs von ZSK nun schon laut gegen Nazis. Im Interview schwelgt Sänger Joshi in Erinnerungen an die Anfänge der Band und vergangene Auftritte auf dem Ruhrpott Rodeo. Außerdem spricht er über das neue Album „Hallo Hoffnung“, von dem sie bereits erste Songs mitbringen werden.


Fotocredit: Matthias Zickrow

Ihr feiert dieses Jahr 20 Jahre ZSK - wie blickst du auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurück?
Ich bin vor allem ziemlich glücklich und dankbar. Dass wir tatsächlich an den Punkt kommen, an dem wir auf 20 Jahre zurückblicken können, hätten wir nie für möglich gehalten. Das ist schon verrückt.

Zum ersten Mal habe ich euch vor 18 Jahren zusammen mit Blowing Fuse in einem nordhessischen Dorfgemeinschaftshaus live gesehen. Was würdest du dem Joshi von damals gerne mit auf den Weg geben?
Echt, da warst du? Das ist ja krass. Gute Zeiten waren das damals mit Blowing Fuse, jedes Konzertwochenende das totale Abenteuer. Tolle Jungs. Was ich meinem jüngeren Ich sagen würde, ist einfach: „Joshi, ändert bitte sofort euren Bandnamen in einen Coolen, den jeder versteht. Noch hast du die Chance, denn euer erstes Album erscheint erst in zwei Jahren. Danach ist es zu spät!“

Festival-Vorfreude

Was das Ruhrpott Rodeo betrifft, seid ihr ja bereits alte Hasen. Welche Erinnerungen verbindet ihr mit dem Festival?
Das schönste am Ruhrpott Rodeo ist, dass es ein großes Familientreffen ist. Sowohl auf der Bühne als auch im Backstage – nur feine Leute. Ich erinnere mich an sehr lustige Abende mit Swiss, Irie Révoltés, Rantanplan, Bad Religion, Against Me! und den Broilers. Letztere sind übrigens nur zum Trinken gekommen und haben selbst gar nicht gespielt.

Was macht das Rodeo für dich aus?
Bei vielen großen Festivals ist das Lineup inzwischen total gemischt. Hip Hop, Techno, Indierock – da kommt alles zusammen. Mich persönlich interessiert da manchmal die Hälfte des Lineups gar nicht. Das ist beim Ruhrpott Rodeo anders. In Hünxe spielen fast nur Bands, die ich mir richtig gerne anschaue. 

Euer neues Album „Hallo Hoffnung“ wird drei Wochen nach dem Festival erscheinen. Worauf dürfen sich eure Fans freuen?
Wir sind total glücklich mit der Platte und ganz sicher, dass die Leute, die uns mögen, das genauso sehen werden. Wir wollen mit dem Album Mut machen und uns bei all denen bedanken, die sich trotz der ganzen Scheiße da draußen weiter engagieren. Und natürlich werden wir auch zum Rodeo schon ein paar neue Songs mitbringen. Auf der Donots-Tour haben wir bereits zwei vorgestellt, das war ein sehr gutes Gefühl.

Gemeinsam gegen Nazis

Schwierige politische Zeiten bringen oft die besten Punkrock-Platten hervor - wie stehst du zu dieser These?
Das sehe ich auch so. Es ist schon sehr beeindruckend, wie beispielsweise damals Bush und zuletzt Trump die alternative US-Musikszene repolitisiert haben. Von diesem Effekt würde ich mir auch sehr viel mehr in Deutschland wünschen. 

Wie können diejenigen „Dampf ablassen“, die weniger musikalisch sind?
 „
Dampf ablassen“ ist vielleicht die falsche Formulierung, wenn es darum geht, gehört zu werden. Man muss vor allem laut sein und sich Verbündete suchen, das haben wir über die Jahre gelernt. Ich denke, da ist noch viel Potenzial. Von Antifas über Gewerkschaften bis hin zu Kunst und Kultur braucht es noch mehr Vernetzung und Druck, um den Nazischweinen eine Ansage zu machen. Punkkonzerte und linke Jugendzentren sind eine der letzten Bastionen, die Jugendlichen einen sicheren Ort bieten – ohne Rassismus, Homophobie und rechte Hetze.

Interview: Diana Ringelsiep

Dritte Wahl gehören mittlerweile schon fast zum Inventar des Festivals. Im Interview blickt Gunnar auf 30 Jahre Bandgeschichte zurück und verrät, worauf er sich am meisten freut. Außerdem konntet ihr uns bei Facebook schreiben, was ihr schon immer mal wissen wolltet – Diana hat den Sänger für euch gefragt.


Foto: Michael Raadts

Wie oft seid ihr jetzt schon dabei gewesen und was gefällt euch am Ruhrpott Rodeo besonders?
Viermal bestimmt, daher betrachten wir uns mittlerweile als eine Art Hausband. Ich persönlich fühle mich auf dem Rodeo sehr wohl, daher mische ich mich auch gerne unters Volk. Es ist einfach so schön familiär und unaufgeregt. Die Größe ist entspannt, es gibt keine unangenehmen Securities und die Musikauswahl entspricht komplett meinem Geschmack.

Ihr feiert dieses Jahr euer 30. Bandjubiläum. Bestimmt gab es in jeder Dekade einen ganz besonderen oder unvergesslichen Moment – welche sind das?
Im ersten Jahrzehnt war das definitiv der Tag, an dem unser erstes Album „Fasching in Bonn“ aus dem Presswerk kam. Den Moment, wenn du deine erste eigene Schallplatte in den Händen hältst, vergisst du nicht. Im zweiten Jahrzehnt war es der Tod unseres Bassisten Busch’n, der für immer unvergessen bleiben wird. Wir wussten damals nicht mal, ob wir weitermachen sollen. Diese Zeit war sehr prägend für die Band. Und der dritte Teil wird seinen Höhepunkt hoffentlich beim diesjährigen Ruhrpott Rodeo finden.

30-jähriges Bandjubiläum

Seit ein paar Wochen seid ihr nun schon wieder unterwegs. Hand aufs Herz, gibt es etwas am Tourleben, das dir nach 30 Jahren auf die Nerven geht?
Ehrlich gesagt, nein. Ich bin gerne mit der Band unterwegs, denn wir sind wirklich gute Freunde und genießen die Zeit miteinander. Nachmittags unterhalten wir uns viel und hören Musik, das macht einfach Spaß. Dass sich einer abseilt und alleine Fernsehen guckt oder sowas gibt es bei uns nicht.

Am 16. März erscheint euer neues Video zu „Runde um Runde“ – was kannst du uns schon darüber verraten?
Für den Dreh haben wir uns eine der berüchtigtsten Rostocker Kneipen von damals ausgesucht und dort mit einem befreundeten Männerchor namens Möwe & die Ölmützen einen wunderbaren Tag verbracht. Dabei herausgekommen ist ein Video mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Heute ist der Laden „Zur Kogge“ übrigens ein sehr empfehlenswertes Fischrestaurant – unbedingt hingehen, wenn ihr mal in Rostock seid.

Nachgehakt: Fan-Fragen

Kommen wir abschließend zu den Fragen eurer Fans: Wie kommt es, dass man euch nie zusammen mit Feine Sahne Fischfilet sieht, obwohl ihr aus derselben Ecke kommt und für dieselben Werte steht?
Dafür gibt es keinen besonderen Grund, es ergibt sich einfach nicht so oft. Wir kennen die Jungs schon länger und ich glaube, ich spreche für beide Seiten, wenn ich sage, dass wir Sympathien füreinander hegen. In der Vergangenheit haben wir auch schon ein paar Mal zusammengespielt, daher wird sich die Gelegenheit bestimmt noch mal ergeben.

Was gefällt dir am Ruhrgebiet am besten?
Mir gefällt der Menschenschlag. Die Leute im Pott sind laut und offen – und somit ganz anders als der Mecklenburger an sich. Und auch landschaftlich hat sich mittlerweile einiges getan. Ich wohne ja seit ein paar Jahren in Münster, daher bin ich gar nicht mal so weit weg. Also ja, ich bin ein Ruhrpott-Sympathisant.

Welches Reiseziel magst du besonders und mit wem fährst du dort am liebsten hin?
Ich verreise immer mit der Familie, also mit meinen Kindern und meiner Freundin. Wir sind alle große Skandinavien-Fans, daher fahren wir meistens nach Norwegen.

Und die wichtigste Ruhrpott-Frage zum Schluss: Pommes rot oder weiß?
Mit Mayo!

Interview: Diana Ringelsiep

Wir freuen uns außerodentlich, DAS Schwergewicht des Ska fürs Rodeo bestätigen zu können!